Trailrunning verändert sich. Bist du bereit?

Eine neue Generation läuft auf die Trails – und sie stellt vieles auf den Kopf, was wir über diese Sportart zu wissen glaubten.

 

Die britische Agentur Common Ground hat Ende 2025 den Report «The New Trail» veröffentlicht. Ihre Kernaussage ist provokant und ich glaube, sie hat recht: Trailrunning ist längst kein Nischensport mehr – es ist eine kulturelle Bewegung. Und Destinationen, die das noch nicht begriffen haben, verpassen gerade eine echte Chance.

 

 

Sechs Trends – eine Botschaft
Common Ground identifiziert sechs Trends, die zusammen ein klares Bild ergeben:

 

01 – Next Gen Trail

Gen Z läuft in Rekordzahlen auf die Trails und treibt das Wachstum.


02 – Embodied Emotion

Nicht Wettkampf, sondern Emotion steht im Mittelpunkt.


03 – Connection Found

Trail reconnects eine Generation mit der Natur und mit sich selbst.


04 – Soft Adventure

Trailrunning als niederschwelliges, zugängliches Erlebnis – kein Extremsport.


05 – Wild Spirit

Eine Kultur und Haltung, die genauso viel neben dem Trail stattfindet wie auf ihm.


06 – Playing Out

Neue Hybridformate entstehen – urban, niederschwellig, grenzenlos.


 

Was das für Destinationen bedeutet – meine Einschätzung

Ich lese diesen Report und denke: Ja, genau. Und gleichzeitig: Wir haben noch viel Arbeit vor uns.

Der Trend ist real. Gen Z sucht kein perfekt vermarktetes Outdoor-Produkt – sie sucht Echtheit, Natur, Community und ein Erlebnis, das sich nach etwas anfühlt. Trailrunning liefert das. Aber: Damit aus einem Trend ein echtes touristisches Reisemotiv wird, braucht es mehr als ein hübsches Instagram-Bild von einem Bergpanorama.

Es braucht Grundlagenarbeit. Gut erschlossene und erfasste Trails. Angebote, die verschiedene Zielgruppen wirklich abholen – vom Familienerlebnis bis zum wettkampforientierten Läufer. Eine Community, die lebt und wächst. Und Leistungsträger, die Trailrunning nicht als Randnotiz im Sommerprogramm behandeln, sondern als eigenständiges Segment ernst nehmen.

 

«Soft Adventure» klingt einfach – ist es aber nicht. Es bedeutet: niederschwellig in der Erfahrung, aber anspruchsvoll in der Entwicklung. Wer das versteht, hat einen echten Vorteil.

 

In Graubünden arbeiten wir seit 2020 mit dem Projekt graubünden Trailrun genau an dieser Basis. Wir wissen: Der Weg von der Sportart zum Reisemotiv ist lang. Aber er lohnt sich – für die Region, für die lokale Wirtschaft und für eine Zielgruppe, die wächst und bleibt.

Die Frage ist nicht mehr ob Trailrunning touristisch relevant ist. Die Frage ist: Wer ist bereit, die Arbeit zu machen, die notwendig ist, um dieses Potenzial wirklich auszuschöpfen?

 

Text: Thomas Häusermann

Mitinhaber Zenit run GmbH
Projektleiter graubünden Trailrun
ASTA Trailguide

 


Quelle: Common Ground, «The New Trail», Oktober/November 2025 · wearecommonground.com