Frauen erobern die Trails – und Destinationen gewinnen dazu

Neun Frauen, drei Tage Trailrunning, unzählige Gespräche und ganz viel Begeisterung für die Berge: Das erste Trailrunning Ladies Camp im Val Surses war ein voller Erfolg. Für uns von Zenit run war es eine besondere Freude, das Camp gemeinsam mit Fabienne Graf, Product Managerin bei Val Surses Tourismus zu organisieren und als Guides zu begleiten. Doch der Erfolg des Camps erzählt eine grössere Geschichte. Er zeigt, welches Potenzial in klar positionierten Trailrunning-Angeboten steckt – und warum Destinationen gut beraten sind, spezifische Zielgruppen mutig in den Fokus zu rücken.

Mut zur klaren Positionierung

Touristische Angebote gibt es viele. Wirklich erfolgreich sind jedoch jene, die auf Anhieb verständlich machen, für wen sie gedacht sind und welchen Mehrwert sie bieten. Genau diesen Mut zeigte das Team von Val Surses Tourismus. Statt ein allgemeines Trailrunning-Wochenende anzubieten, entschied sich die Destination bewusst für ein Angebot gezielt für Frauen. Eine klare Zielgruppe, eine klare Botschaft und ein klarer Mehrwert. Das Resultat: ein gut besuchtes Camp mit neun motivierten Teilnehmerinnen aus unterschiedlichen Regionen der Schweiz.

Eine Teilnehmerin berichtet:

«Mein erstes Trailrunning Camp – und definitiv nicht mein letztes.
Als Genussläuferin ohne Trailrunning-Erfahrung hatte ich viele Fragezeichen. Diese haben sich aber schnell in Begeisterung verwandelt.»

Warum Frauen und Trailrunning hervorragend zusammenpassen

Trailrunning bietet vieles, was insbesondere von Frauen geschätzt wird: Naturerlebnisse, Bewegung ohne Leistungsdruck, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung. Im Gegensatz zum klassischen Strassenlauf stehen auf den Trails selten Zeiten und Vergleiche im Vordergrund. Stattdessen geht es um Erlebnisse, persönliche Herausforderungen und das gemeinsame Unterwegssein.

Was Frauenangebote erfolgreich macht

Folgende Faktoren sind für ein erfolgreiches Frauen-Angebot entscheidend und haben sich während des Camps bestätigt.

1. Raum schaffen

Ein vertrauensvolles Umfeld ermöglicht es vielen Frauen, Neues auszuprobieren, Fragen zu stellen und Herausforderungen offen anzusprechen. Ohne Vergleichsdruck, ohne Konkurrenzdenken, dafür mit viel gegenseitiger Unterstützung.

2. Wissen vermitteln

Ein zentrales Element des Camps war die Vermittlung von praxisnahem Wissen rund ums Trailrunning und die Frauengesundheit. Dazu konkrete Beispiele aus unserem aktuellen Camp:

  • Öffentlicher Vortrag zum Thema Beckenboden-Power beim Laufen
  • Laufspezifisches Krafttraining
  • Pilates und Regeneration
  • Präventionseinheit mit Blackroll und Mobility
  • Kartenlesen, navigieren und Touren planen
  • Materialtests mit Schuhen, Stöcken und Laufwesten

Viele Teilnehmerinnen berichteten, dass genau diese Kombination aus Bewegung und Wissen für sie besonders wertvoll war.

3. Austausch ermöglichen

Die vielleicht grösste Stärke des Camps entstand zwischen den Programmpunkten: beim gemeinsamen Frühstück, auf den Trails oder beim Abendessen. Erfahrungen wurden geteilt, Herausforderungen angesprochen und neue Freundschaften geknüpft. Aus einer Gruppe von Einzelpersonen entstand innerhalb weniger Tage eine echte Gemeinschaft.

«Was mich wirklich überrascht hat, war die Gemeinschaft: Frauen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Tempi, die sich offen und ehrlich ausgetauscht haben, auch über Themen, die sonst selten Platz finden.»

Ein ganzheitliches Trailrunning-Erlebnis

Gemeinsam mit der einheimischen Trailrunnerin Nina Carisch, esa Trailrunningleiterin Angelika Lehmann und mit Unterstützung des Projekts graubünden Trailrun entwickelte Val Surses Tourismus ein abwechslungsreiches Programm, das weit über das reine Laufen hinausging. Drei geführte Trailruns in abgestimmten Leistungsgruppen bildeten den Kern des Wochenendes. Ergänzt wurde das Angebot durch Fachinputs, Regenerationseinheiten, Materialtests und ein liebevoll zusammengestelltes Goodie-Bag inkl. Mini-Bands fürs Krafttraining, diverses Infomaterial, Stirnband, Buff und lokale Produkte. Diese Mischung machte den Unterschied: Die Teilnehmerinnen konnten nicht nur die eindrückliche Trailvielfalt des Val Surses erleben, sondern auch neues Wissen mit nach Hause nehmen und wertvolle Kontakte knüpfen.

Was Destinationen daraus lernen können

Das Ladies Camp zeigt eindrücklich, dass zielgruppenspezifische Trailrunning-Angebote funktionieren. Wer die Bedürfnisse einer klar definierten Zielgruppe versteht und ein stimmiges Gesamterlebnis schafft, kreiert mehr als ein sportliches Angebot. Es entstehen Begegnungen, Emotionen und Erinnerungen, die weit über das Wochenende hinaus wirken. Val Surses Tourismus hat mit diesem Pilotprojekt gezeigt, wie mutige Positionierung, lokale Partnerschaften und ein ganzheitlicher Ansatz neue Gästesegmente erschliessen können.
Und eines wurde an diesem Wochenende besonders deutlich: Frauen erobern die Trails. Destinationen, die sie dabei gezielt begleiten, gewinnen gleich mit.

Text von Angelika Lehmann