Die Schweiz will raus
Was Sport Schweiz 2026 über die Zukunft des Trailrunnings verrät
Die Schweiz ist und bleibt ein Sportland. Doch die neue Studie Sport Schweiz 2026 zeigt auch: Die Art, wie wir Sport treiben, verändert sich. Flexibler, individueller, weniger wettkampforientiert – und vor allem gerne draussen. Für den Laufsport und insbesondere für Trailrunning sind das spannende Signale. Denn vieles von dem, was die Schweizer Bevölkerung beim Sport sucht, findet sie auf dem Trail.
Laufen ist kein Trend mehr
23 Prozent der Schweizer Bevölkerung nennen Jogging als ausgeübte Sportaktivität. Damit gehört Laufen zusammen mit Wandern, Radfahren, Schwimmen und Skifahren weiterhin zum «helvetischen Fünfkampf». Gleichzeitig zeigt die Studie: Der jahrelange Sportboom flacht ab. Auch Jogging verzeichnet gegenüber 2020 einen Rückgang. Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Im Gegenteil: Laufen ist längst aus der Nische herausgewachsen und fest im Schweizer Sportalltag verankert. Es ist kein neuer Trend, der ständig weiterwachsen muss, um relevant zu bleiben.
Laufen ist gekommen, um zu bleiben.
Das grösste Sportstadion der Schweiz liegt draussen
Besonders interessant für Trailrunning ist ein anderer Befund: Zwei Drittel der Bevölkerung nutzen die freie Natur als Sportarena. 43 Prozent tun dies mindestens einmal pro Woche. Und mit 49 Prozent bleibt Wandern die mit Abstand meistgenannte Sportaktivität der Schweiz. Genau hier wird es für Trailrunning spannend. Denn zwischen Wandern und Jogging gibt es keine harte Grenze. Wer auf einem Bergweg zügig unterwegs ist, läuft vielleicht die eine oder andere Passage. Wer joggt, verlässt irgendwann den Asphalt und entdeckt den Waldweg. Trailrunning verbindet zwei der grossen Bewegungswelten der Schweiz.
Vielleicht sollten wir Trailrunning deshalb weniger eng als Sportart betrachten – und stärker als das, was es eigentlich ist: eine natürliche Form der Fortbewegung in der Natur.
Vom Sport zum Naturerlebnis
Noch deutlicher wird dieses Bild bei den Motiven. Gesundheit und Fitness, Freude an der Bewegung und das Naturerlebnis gehören zu den zentralen Gründen, weshalb Menschen Sport treiben. Gleichzeitig verliert der klassische Wettkampf an Bedeutung. Der Anteil der Sporttreibenden, die an Wettkämpfen teilnehmen, ist gegenüber 2020 gesunken. Das ist für Trailrunning relevant. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung wird Trailrunning noch immer stark über Rennen, Ultras, Höhenmeter, Geschwindigkeit und Leistung erzählt. Doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Trailrunning kann genauso gut bedeuten, morgens eine Stunde durch den Wald zu laufen. Im Urlaub einen unbekannten Bergweg zu entdecken. Mit Freunden unterwegs zu sein. Zwischendurch zu gehen. Auf einer Alp einzukehren. Oder einfach draussen zu sein.
Vom Sport zur Bewegung. Vom Laufen zum Erleben. Diese Perspektive öffnet Trailrunning für wesentlich mehr Menschen.
Man muss kein Trailrunner sein, um Trails zu laufen
Vielleicht liegt darin sogar das grösste Potenzial. Wer heute wandert, joggt, Nordic Walking betreibt oder einfach gerne draussen unterwegs ist, muss sich nicht plötzlich als «Trailrunnerin» oder «Trailrunner» definieren. Die Übergänge sind fliessend. Genau deshalb verstehen wir im Projekt graubünden Trailrun Trailrunning bewusst breit: als Laufen in Kombination mit Gehen auf unbefestigtem Untergrund. Nicht Pace oder Distanz entscheiden darüber, ob jemand auf den Trail gehört. Und auch nicht die Ausrüstung.
Der Trail beginnt dort, wo Menschen Lust bekommen, sich draussen auf unbefestigtem Untergrund bewegen.
Individuell unterwegs – gemeinsam erleben
Sport Schweiz 2026 zeigt noch eine weitere Veränderung: Erwachsene organisieren ihren Sport zunehmend flexibel und individuell. Ein Paar Schuhe genügt. Keine Öffnungszeiten, keine Trainingshalle, keine fixe Trainingszeit. Trails sind fast überall vorhanden. Gleichzeitig suchen Menschen Gemeinschaft, Inspiration und Orientierung. Deshalb braucht es beides: frei zugängliche Möglichkeiten und gemeinschaftliche Erlebnisse. Routen, Trailrunning-Parcours oder digitale Angebote können den individuellen Einstieg erleichtern. Trailtreffs, Community Runs, Camps, Guides und Events schaffen Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse.
Eine Chance für Graubünden
Für Graubünden sind diese Entwicklungen besonders interessant. Was andernorts erst geschaffen werden müsste, liegt bei uns buchstäblich vor der Haustür: Landschaft, Wege, Berge und eine starke Outdoor-Kultur. Die Aufgabe besteht deshalb nicht darin, überall neue Trails zu bauen. Vielmehr geht es darum, Zugänge zu schaffen. Menschen zu zeigen, wo und wie sie Trailrunning erleben können. Bestehende Wege intelligent zu nutzen und wo notwendig zu optimieren. Angebote miteinander zu verbinden. Einsteigerinnen und Einsteiger abzuholen. Wissen zu vermitteln. Koexistenz zu fördern. Und aus Bewegung echte Naturerlebnisse entstehen zu lassen.
Die Studie Sport Schweiz 2026 zeigt ein Umfeld, das für die Entwicklung von Trailrunning bemerkenswert gut passt: Die Menschen wollen sich bewegen. Sie wollen flexibel sein. Sie wollen raus. Sie suchen Gesundheit, Freude und Naturerlebnisse.
Es ist nun unsere Aufgabe sie abzuholen und auf die Trails zu bringen.